Werke und Projekte als Leitlinie

Das Leben als Fragezeichen zu betrachten, diese Haltung prägt meine Bücher. Ich schreibe einereits Prosa (besonders gern längere Erzählungen und kürzere Romane), andererseits aber geisteswissenschaftliche Fachtexte. Das passt vielleicht auch zu meinen beiden Studienfächern Deutsch und Geschichte, wobei Geschichte immer das Stiefkind war. Denn ich hatte es nie so mit den Zahlen und Fakten, sondern mehr mit den Verhältnissen und Strukturen.

 

Von Anfang an engagierte ich mich gern in Literatenkreisen. Als ich 1987 nach Frankfurt kam, gab es noch die Romanfabrik in der Uhlandstraße: einen Ort, der mir künstlerisch und ein wenig verrucht zugleich vorkam. Ich leckte zwar Blut, zog dort aber nicht ein, sondern lieber in eine biedere Studierenden-Wohngemeinschaft. Aber auch an der Universität engagierte ich mich  - natürlich bei den Germanisten - und gründete ein Tutorium für schreibende Studentinnen und Studenten. So ging es dann auch weiter. Später leitete ich Schreibworkshops und dann kamen auch die ersten eigenen Veröffentlichungen.

 

Im weiteren Verlauf meines Studiums beschäftigte ich mich schwerpunktmäßig mit dem Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts. Der dort immer wieder ausgesprochene Konflikt zwischen sittlicher Ordnung und sinnlichem Verlangen war für mich sehr nachvollziehbar zwischen meinen Bedürfnissen nach einer bürgerlichen Laufbahn und nach künstlerischer Freiheit.

 

Die Frage, welche Werte und Motive die Inhalte und die Formen unseres Schreibens bestimmen, ist der rote Faden aller meiner bisherigen literarischen und literaturwissenschaftlichen Schriften. Besonders der Ausschluss der Benachteiligten von der Glückswürdigkeit hat mich stets beschäftigt. 

 

In meiner Doktorarbeit (1995) versuchte ich am Beispiel von Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften" nachzuweisen, dass im dualistischen Weltbild unserer Philosophiegeschichte die körperliche Liebe und das Sterben aus dem Diskurs gedrängt werden und dass die Symbole auf eine abwesende Bedeutung verweisen.

 

Entgegen dieser Anschauung vertrete ich einen literaturphilosophischen Ansatz, der die Sinnerfüllung der gegenständlichen Welt wieder propagiert. Durch die poetische Aufladung der Symbole und ihr direktes Verweisen auf das, was wir lieben, entstehen neue und unverbrauchte Metaphern, die von Sinn durchflutet sind. 

 

Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist für mich die verlorene, und - an anderem Ort - neu gefundene Heimat. Heimat entsteht aber nicht dadurch, dass ich sie als Wunschvorstellung oder Sehnsuchtsprojektion herbeischreibe, sondern sie muss für mich auch in der Wirklichkeit räumlich erfahrbar sein. 

So ist es auch mit den Personen und ihren Beziehungen in meinen Texten. Die Figuren sind erfunden, wahrhaftig sind aber die Themen und Fragen, die in ihnen pulsieren.

 

Heimat ist übrigens auch für den Größenwahn Verlag, bei dem ich seit 2015 veröffentliche, ein spannendes Thema - hier zu sehen im YouTube-Video zum Herbstprogramm 2017!

 

 

Foto: (c) Heike Lyding